Gemeinsames Herbstkolloquium von BV-PP und IGPP: Welche Art von Bildung brauchen wir? Bildung und Weiterbildung in Philosophischer Praxis

„Eines der größten Probleme der Erziehung ist, wie man die Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang mit der Fähigkeit, sich der Freiheit zu bedienen, vereinigen könne.“ (Kant)

Dieses Dilemma der Erziehung steht seit der Aufklärung im Zentrum des Nachdenkens über Bildung und beschäftigt uns bis heute. Inzwischen, spätestens seit den Bildungsreformen der jüngeren Vergangenheit, ist das Thema Bildung zum heiß umstrittenen Gegenstand kontroverser gesellschaftlicher und politischer Diskussionen geworden. Die in der Bildungslandschaft vorgenommenen zahllosen Reformen und Umstrukturierungen werden von vielen als höchst bedenklich eingeschätzt. Philosophie ist erneut herausgefordert, sich einige zentrale Fragen zu stellen: Welche Qualitäten benötigen Menschen für eine zukunftsfähige Welt? Braucht der Erhalt von Demokratiefähigkeit und politischer Mündigkeit gezielte neue Bildungsmaßnahmen? Welche Aufgaben fallen hier der Philosophischen Praxis zu? Wie können Philosophische PraktikerInnen sich konkret einbringen?

Diesem facettenreichen Fragehorizont wollen wir uns auf dem diesjährigen Kolloquium zuwenden. Dabei greifen wir auf neue interaktive Arbeits- und Diskussionsformate zurück, um möglichst intensiv miteinander ins Gespräch zu kommen und konsensfähige Ergebnisse anzustreben.

Wir freuen uns darüber, dass wir Herrn Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann (Wien) für den zentralen Tagungsvortrag gewinnen konnten.

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30. August 2018

Akademie Philosophische Praxis geht an den Start: Seminar Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen

Die Akademie Philosophische Praxis ist in 2018 mit dem Seminar "Philosophischen mit Kindern und Jugendlichen" erfolgreich gestartet. Hier ein kurzer Rückblick: https://www.denkspuren.com/blog/2018/8/23/workshop-der-akademie-des-bvpp


22. Mai 2018

Berufsverband für Philosophische Praxis e.V. startet neuen Bildungsgang – Bildungsgang Philosophische Praxis beginnt im Mai 2019

Die Lebensnähe der Philosophie ist zentrales Leitmotiv des Bildungsgangs Philosophische Praxis, der bereits zwei Mal mit großem Erfolg durchgeführt wurde und auf eine Vielzahl begeisterter Teilnehmer zurückblicken kann. Im Mai 2019 startet der dritte Jahrgang des Bildungsgangs und endet im Oktober 2021.

Ziel ist es, Orientierung bei essentiellen philosophischen Fragen zu finden, statt in die Beratungskultur mit präfabrizierten Lösungsschlüsseln zu fliehen oder Hilfe in pseudo-psychologischen Coaching Prozessen zu suchen. Dieser Ansatz ist einmalig und etabliert sich aktuell als alternative Methode zur Psychotherapie. Der Bildungsgang Philosophische Praxis setzt dabei primär auf die Selbstbildung der Teilnehmer. Sie beschäftigen sich mit dem eigenen Selbst, der Begegnung mit der Welt und der Rolle von lebensbezogenen philosophischen Fragestellungen im Beruf.

Die Teilnehmer werden befähigt, existenziellen Krisen und grundlegenden Problemstellungen auf individuelle Weise zu begegnen. Der Studiengang steht für die Bildung und Entwicklung von Intuition und Gespür für spezifische Dialogsituationen. Situative Intelligenz und adaptive Klugheit in Gesprächssituationen haben Vorrang vor der Aneignung von bloßem Wissen und universitärer Bildung. Der Philosophische Praktiker beweist seine Kompetenz dadurch, dass sein Denken je nach Situation die Richtung wechseln kann. Autonomie und Freiheit sind die Prinzipien, die neue Perspektiven bei Antworten und den sich daraus wiederum ergebenen Fragestellungen schaffen.

Der Begriff der Philosophischen Praxis geht auf Gerd B. Achenbach zurück, der im Jahr 1981 diese Methode mit der weltweit ersten Gründung einer Praxis institutionalisiert hat. In seinem Buch „Vom Richtigen im Falschen“ beschreibt er die Tätigkeit des philosophischen Beraters und formuliert damit auch gleichzeitig den Anspruch des Bildungsgangs: „Wir sind für alle Menschen da, die in ihren eigenen Problemen und denen der Welt festsitzen. Der Philosophische Praktiker hilft ihnen beim Denken, klärt auf und zeigt andere Wege. Die meisten Probleme der Menschen stammen aus Fragen der Lebensführung. Dafür ist praktisches Philosophieren zuständig, nicht die Psychotherapie.“

Die Arbeitsweise des Philosophischen Praktikers verlangt praxisorientiertes, fundiertes Wissen der Philosophie ebenso wie die Begegnung mit erfahrenen Praktikern. Im Zentrum steht dabei die Klugheitsregel als vollwertiger ethischer Grundbegriff. Klugheit ist ein angewandtes Instrument des Praktischen Philosophentums, um sowohl philosophische Lebensberatung für das Individuum als auch philosophische Organisationsberatung im beruflichen Umfeld zu liefern. Sie richtet sich an Menschen, die das Gefühl haben „irgendwie stecken geblieben“ zu sein und Antwort auf die Frage suchen: „Was tue ich eigentlich?“ Der Bildungsgang Philosophische Praxis begleitet Menschen bei der Selbstaufklärung, die sich auf die Suche nach Antworten auf die Frage nach dem guten Leben begeben. Ein Studium der Geisteswissenschaften ist keine Voraussetzung für die Teilnahme am Bildungsgang, philosophische Vorbildung ist allerdings wünschenswert. In den letzten Jahrgängen kamen Teilnehmer mit sehr unterschiedlichem Beruf zusammen. Mediziner, Naturwissenschaftler, Pädagogen und Journalisten einte die Motivation, durch besseres Verständnis philosophischer Praxis ihre Beratungskompetenz im Beruf zu verbessern und reflexive wie dialogische Fähigkeiten zu vertiefen. Ein internationales Dozententeam gibt den Teilnehmern einen fundierten Einblick in die lebensbezogene Philosophie. Viele von ihnen führen seit vielen Jahren eine Philosophische Praxis, einige sind Bestseller Autoren in diesem Bereich m Bereich. Die Kompetenz philosophisch durchformter Gesprächsführung wird in der Begegnung mit den Dozenten ebenso vermittelt wie im ständigen Austausch und der Vertiefung durch Übung mit anderen Teilnehmern. Der Bildungsgang befähigt die Teilnehmer dazu, als Philosophische Praktiker auch eine eigene Philosophische Praxis zu gründen und erfolgreich zu führen.

Anmeldungen für den Jahrgang 2019 – 2021 sind ab sofort möglich. Die Kosten belaufen sich auf etwa 2.500 - 2.900,- € pro Jahr.


10. Mai 2018

Rückblick Frühjahrstaung 2018: Was uns trägt - Selbstvergewisserungen über die eigenen Fundamente

In der Philosophischen Praxis begleiten wir Menschen in oftmals schwierigen Lebenssituationen. Wie haben den Anspruch, ihnen Impulse für Perspektivwechsel zu geben und die Lampe höher zu hängen. Dieses „Vivifizieren“ und „Dephlegmatisieren“ unserer Gäste erfordert Kraft und setzt eine individuelle Selbstsorge und eigene Lebenspraxis voraus, um dem hohen Anspruch an die Philosophische Praxis gerecht zu werden.

In der Frühjahrstagung 2018 haben wir uns unserer eigenen Fundamente vergewissert und uns gefragt, was uns trägt, was uns befähigt, als Philosophische Praxis tätig zu sein. Anschließend an das letzte Herbstkolloquium, das die Sorge um sich und den Anderen in den Mittepunkt gestellt hat, geht es bei der Frühjahrstagung um das sokratische „sich Rechenschaft geben zu können“ und die Kolleg*innen daran teilhaben zu lassen, worin die eigenen Wurzeln liegen.

Insofern standen bei der Frühjahrstagung Veranstaltungsformate im Mittelpunkt, die den Dialog und die den kollegialen Austausch gefördert haben. Ziel war es, Philosophische Praxis erfahrbar zu machen.

Hier ein paar Fotos und Ergebnisse des World-Café: Leitfragen für 5 Tische:

  • Welche konkrete Lebenspraxis hilft mir, den Herausforderungen der Philosophischen Praxis gerecht zu werden? Welche Philosophischen Übungen praktiziere ich selber regelmäßig
  • Aus welcher Lektüre schöpfe ich Kraft und Inspiration? Wer sind die „Großen Geister“ für mich, auf deren Schultern wie sitzen?
  • Gibt es in meiner Lebensphilosophie eine spirituelle / religiöse Komponente? Was bedeutet das für mich im Gespräch mit ratsuchenden Menschen?
  • Wie habe ich meine „Denkbiografie“ und meine „Philosophische Visitenkarte“ reflektiert? Welche Formen der Selbsterfahrung und kollegialen Intervision sind dabei hilfreich?
  • Welche Unterstützung hätte ich gerne durch die IGPP / den Berufsverband? Was sollten diese beiden Vereine tun, um mich in meiner PP zu stärken?